• Kompetenz in Angelsport
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Der Mitarbeiter bei Maver, der für diesen Produktionsschritt zuständig ist, klebt noch eine Reglass-Seriennummer auf den Rutenblank, in der das Rutenteil und der Name der Mitarbeiters verschlüsselt ist, der es gebaut hat. "Mein Name für mein Produkt" - eine wirklich gute Idee für hohes Produktionsniveau.

Interessant fand ich den Umstand, dass nach dem aufwickeln der Carbonmatte auf die Mandrill das ganze noch mit einer Strechfolie eingewickelt wird. Damit werden die flexiblen Carbonmatten gleichmäßiger an den Formkörper gepresst und es verbessert auch den Prozess beim Vakuumieren. Etwa 6 Stunden lang wird das Rutenteil im Vakuumofen bei 130 Grad gebacken. Dabei wird der Carbonmatte Luft entzogen und das Resin-Harz mit Nanopartikeln dringt in die kleinsten Zwischenräume zwischen den Carbonfasern ein. Lufteinschlüsse machen Carbonfasern brüchig. Daher ist dieser Prozess im Zusammenspiel mit dem Resinharz wohl das Herzstück der Carbonveredelung.
Je besser das Harz ist, desto robuster und bruchsicherer wird die Kopfrute. Kopfruten mit dem RESIN-Faktor 4 sind derzeitig das non-plusultra im Rutenbau. Auf einigen Kopfruten findet man diesen Hinweis (MAT4). Wer soetwas sein eigen nennen kann, darf sich mal auf die Schulter klopfen lassen. Er hat tatsächlich eines der Topmodelle auf seinem Abroller zu liegen.


Nach dem Backprozess sind die Rutenteile noch zu lang und müssen noch zurechtgeschnitten werden. Dabei wird vorher vorsichtig die Strechfolie entfernt, die offenbar eine interessante Oberflächen-Struktur hinterlassen hat.
Die SUN-CORE Oberflächenbeschichtigung kommt zum vorschein. Wow....ich habe gar nicht gesehen, in welchem Produktschritt dies entstanden ist. Stolz erklärt mir der Produktleiter von Reglass, das es jetzt die SUN-CORE Beschichtung auch in schwarz und blau gibt und dies mehr den Oberliga Ruten vorbehalten ist. maver suncoreIch selbst sehe keinen Grund dafür und halte das für mehr eine Marketing-Aktion. Warum soll schwarz besser sein als hellgrau? Schwarz reflektiert kein Licht und heizt auch die Rute mehr auf. Die black core Microstrukturen der Maver 619 sehen jedoch schick aus und man fühlt es auch mit dem Fingernagel, dass es keine Farbe ist. Die Struktur wurde chemisch ins Carbon geätzt. Das Oberflächendesign ist auf Weltklasse-Niveau! Dieses Verfahren ist von Reglass patentiert und typisch für Reglass-Kopfruten. Mehr darf an dieser Stelle dazu nicht veröffentlichen.

Am Ende des extrem aufwendigen Prozesses  werden die  Rutenteile für Maver, Milo und andere Hersteller lackiert und im Siebdruck Verfahren beschichtet. Phil Briscoe von Maver UK erklärt im Video das Lackierverfahren der Handteile.

Im Gespäch mit dem technischen Designer von Reglass (Alessandro Barigelli) erfuhr ich, das Reglass schon allein wegen der Quailitätskontrolle sehr wohl alle Rutengewichte und Banlancegewichte aller Kopfruten kennt, die dieses Haus verlassen haben. Milo, Preston, Maver, Shimano, Colmic und viele andere Importeure haben sehr wohl diese Daten und könnten diese theoretisch auch veröffentlichen. Hat jemand z.B.  schon mal Rutengewichte und Downforce Angaben von Preston gesehen? Ich jedenfalls nicht. Offenbar ist die Angst zu groß, dass die Kopfruten Preise aufgrund dieser technischen Angaben transparent verglichen werden können. Colmic/Grebenstein und Triana waren vor Jahren hier schon Vorreiter bei diesen Daten und haben verstanden, dass man Kopfruten nicht nur über emotionale Beschreibungen in Superlativen verkaufen kann.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum Downforce-Parameter nicht 1:1 veröffentlicht werden. Alessandro brachte es auf den Punkt und zeigt es mir am Bildschirm und beschrieb es mir sehr deutlich: " Angler sind doof und haben zuwenig Hintergrundwissen für ihre Kaufentscheidung und die fachhändler können es meist nicht erklären. Am Beispiel der Maverruten aus dem England und Italien Programm zeigt er es mir. Kopfruten, die im 16m Bereich gefertigt werden, haben ein anderes Konzept und werden NUR auf das Angeln auf 16m optimiert, was Stabilität und Balance anbelangt. So ist eine maver UK Rute vom Eigengewicht bei 13m zwar leichter, ABER das 13m Teil ist kein Handteil im eigentlichen Sinne. Es ist lackiert, ABER nicht so robust gefertigt, wie ein Handteil wirklich sein muss. Ähnlich ist es auch bei Karpfenruten von Maver. Hier werden robustere Rutenteile benötigt, deren Gewicht mehr in Richtung Handteil verschoben sind. Die Folge ist eine bessere Balance, obwohl die Rute sich kopflastig anfühlt und auch bis in Teil 5 nachschwingt. Diese Modelle sind zu allem Überfluss auch nur halb so teuer, wie die Top-Modelle. Die Folge der Veröffentlichung ohne Erklärung der Mess-Ergebnisse würde hier logischerweise zur "Abwertung" der viel steiferen Spitzenmodell führen. Dies wurde noch nie so deutlich auf dem Punkt gebracht.
Dennoch bat ich um Zuarbeit der offiziellen Meßergebnisse aus dem Reglass-Labor und versprach diese nicht unerklärt zu veröffentlichen.
Schaut euch  das 5-Minuten Video an! Das habt ihr so sicher noch nie gesehen....

Ein Trend für die nächsten Jahre zeichnet sich jedoch deutlich ab. Die Hersteller legen immer mehr Wert auf Bruchfestigkeit und höhere Belastbarkeit der Kits,
um den Aufwand der Serviceabwicklungen für E-Teile zu reduzieren. Am Wettrüsten für die leichteste und teuerste Teleskop-Rute oder Kopfrute ist kaum noch jemand interessiert. Selbst Browning musste das mit seiner Black Magic Serie bei den Teleruten eingestehen. Die wenigsten Angler können mit so sensiblem Material einfach nicht umgehen und schimpfen dann zu unrecht auf die Qualität der Ware. Dabei wurde doch nur versucht, dem Kunden das Allerbeste aus der Carbonschmiede anzubieten.

In 2-3 Jahren wird Reglass eine völlig neue Innovation für Kopfruten produktionssreif haben. Derzeit lassen sich nur noch die Harzrezepturen und die technologischen Prozesse optimieren. Es spielt damit aus technischer Sicht keine Rolle, ob man eine Colmic, Milo, Maver oder Shimano-Rute kauft, wenn diese von Reglass stammt. Es hat alles seinen Anfang in der oben abgebildenen Carbon-Faser.

maik fiebig maver reglass carbon kopfruten

Text und Bildmaterial: Maik Fiebig / Matchangler-Shop

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