Sensas Kopfruten Nanoflex Parallel - Testbericht und technische Daten zu allen Neuheiten 2017

Das neue Parallelkonzept greift hier viel tiefer und fachkundiger in die Trickkiste. Es wurde das Teil 7 und 8 um etwa 8-10cm verkürzt. Dadurch wird die Pole steifer. Das leuchtet auch mir ein. Damit jedoch wieder die echten 13m erreicht werden, musste das Handteil von 199cm auf 205cm verlängert werden.

Um die Windlast zu reduzieren ging man nun noch einen weiteren Schritt. Das Handteil wurde etwas dünner.
es ist oben 45.8mm und unten 47.5mm. Ich gebe das extra so genau an, weil der Standard für die Ermittelung des Handteildurchmessers nicht standardisiert ist. Meiner Empfehlung, den Handteildurchmesser 1m vom Rutenende zu ermitteln - und zwar genau dort, wo auch der Aufhängepunkt der Rutenbalance liegt , folgte bisher  kein Hersteller. Jeder versucht dem Angler hier technische Details vorzulegen, die einen höheren Kaufreiz auslösen. Dabei werden die Grenzen der Toleranzen ganz bewusst fehlinterpretiert. Während uns Anglern nach C.I.P.S. bei der 13m Rutenlänge eine Toleranz von maximal 3cm vorgegeben werden, machen die Hersteller selbst bei Abweichungen von 70cm und mehr gern mal die Augen zu und reden sich um Kopf und Kragen, dass andere das ja auch so machen. (Volkswagen und andere Hersteller hatten beim CO2-Thema ja auch die Augen geschlossen. Auch hier wurden unlautere Anreize zum Kauf geschaffen)

Der Sensas Chefentwickler Christophe Noualhier wies mich in diesem Zusammenhang eindringlich darauf hin, dass solange jeder Hersteller seine eigene Waage und Meßmethode hat, man hier keine Ruhe und Markttransparenz finden wird. Ein weiteres Problem ist auch die Ermittelung der Abweichung zur Ideallinie. Eine Rutenteil wird aus einer Carbonmatte gewickelt und hat damit produktionsbedingt in Längsrichtung eine Position, wo eine Lage mehr Carbon zur Dicke der Rutenwand beiträgt.
Diese Naht ist jedoch entscheidend und man sollte die Pole IMMER entlang dieser Naht ausrichten, um die perfekte Steifheit und Rutenbalance zu erzielen. Sensas hat an diesen Stellen Aufkleber dran, die man immer schön in eine Richtung ausrichten sollte. Wenn man nun die Steifheit - sprich Abweichung zur Ideallinie ermittelt - hat man den Effekt, dass wenn die Carbonnaht nach oben dreht die Rute sehr viel steifer ist. Die Rute um 180 gedreht zeigt dann ein ganz anderes Bild. Abweichungen von 2-5cm wären hier normal.

Achtet man nicht auf dieses Detail, dann könnte man in Testberichten von Fachzeitschriften jeden Test dahingehend manipulieren. Christophe ist auch für Transparenz, jedoch müssten wir dann auch die Wettbewerbsruten unter seinen Bedingungen testen und vergleichen. Unsere Messmethode die Abweichung von der Ideallinie zu ermitteln sei daher NUR innerhalb der Sensas-Serie anwendbar. Im Sensas Katalog findet man dazu auch ein Rating zur Steifheit von 2.5/5 bis 5/5. Doch niemand weiß, wer es ermittelt hat und ob es messbare Grundlagen/Nachweise dazu gibt. Um die Angaben im Katalog zu untermauern und zu belegen, haben wir daher die Abweichung vom Aufhängepunkt - sprich 1m vom Handteilende, als Referenzwert genommen und die Pole immer so entlang der Carbonnaht ausgerichtet, so dass das technisch beste Ergebniss dabei heraus kam. Ich weiß, dass diese Methode wegen geringer Abweichungen vom Aufhängepunkt und Lagerung des 13m Handteiles nicht korrekt ist. Wir haben jedoch hier immer mit dem gleichen Fehler/Toleranz gemessen, so dass das Endergebniss letztendlich doch aussagekräftig für eine Bewertung ist.
Eine weitere Besonderheit haben wir im Test ebenfalls berücksichtigt. In Frankreich werden die Kopfruten regelmäßig ohne die kurze 60cm lange Spitze gefischt. Also gleich mit Teil 2. Der Gummi gleitet so einfach besser und die Rute wird noch steifer. Dass die Nanoflex Parallel XL Ruten dann nur 12.40m statt 13.05m lang sind, dürfe für die meisten Stillgewässer keine wirkliche Rolle spielen. Beim Angeln im Kanal wünschen sich jedoch die Wettbewerbsangler ein Pole auf maximal erlaubter Länge (13m +-3cm), um besser an den Fisch im tieferem Wasser heranzukommen. Hier gibt es nun 2 Varianten. Ein Mini-Plus 6/7 oder 4/5 Teil mit 50cm Länge oder eine Mini-Extension hinten an das 13m Handteil aufzustecken. Christophe empahl die Mini-Exension hinten anzustecken. Dies würde der Steifigkeit/Balance mehr zu gute kommen. Dies haben wir dann auch so getan und alle neuen Kopfruten ohne die feine 60 cm vermessen und das Balancegewicht mit und ohne Mini-Extension ermittelt. Sensas bundelt je nach Kopfrutenmodell und Konzept entweder eine 50 cm Extension (Gewicht 126 Gramm) oder eine 100 cm lange Mini-Extension (Gewicht 212 Gramm) dazu. Die kurze 50cm lange Extension ist die XL Ruten optimal. die 1m lange dagegen eher was für Ruten mit kürzerer Transportlänge (1.80m und weniger). Oben auf dem Bild ist gut zu sehen, dass wir die Abweichung zur Idealline ohne Rutenspitze - sprich mit Teil 2 - ermittelt haben. Der Aufhängepunkt zum ermitteln des Balancegewichtes befindet sich 109 cm über dem Boden.
Damit sich nicht Messfehler durch unterschiedliche Kits einschleichen, haben wir das neue 5-teilige Referenzkit "Competition S" (Artikel-Nr. 02867, 167 Gramm) für alle XL Modelle verwendet. Dieses Kit ist zwar im Vergleich zum bereits bekannten Competition-Kit (silberner Aufkleber) 2 Gramm schwerer, dafür jedoch steifer und belastbarer. Also optimiert für die Ruten mit dem "S" hinter der Artikelbezeichnung. Das neue Kürzel SW, welches bei den Top-Modellen mit dem 2017-er Sensas Katalog eingeführt steht für Strong and Windresistend. Zumindest sinngemäß. Es deutet darauf hin, das die SW-Modelle belastbarer und weniger windanfällig sind.
Alle anderen Modelle wurden mit dem Original-Kit vermessen.
Den Trend nur mit Teil 2 zu fischen führt Sensas mit den neuen konischen Kits ein.

Dabei handelt es sich um Teil 2 der Kopfrute. Diese Rutenteil ist zu allen Kits für Serie 3, 4 oder 5 kompatibel. Passt damit auf alle Ruten drauf, die Wettfischer im Einsatz haben. Die Idee hinter diesem Konzept ist einfach. Eine zu große Spitzenöffnung würde das Eindringen von Wasser in die Spitze erleichtern, daher wurde kurz vor dem Ende das Carbonteil im Durchmesser verjüngt - es läuft konisch zur Spitze zu und kann dort eine 3mm Düse aufnehmen. Auf dem obigen Bild ist das ganz rechts zu erkennen. Im gedruckten Katalog ist dieses Detail mangels Bild zum Einem nicht zu erkennen und zum Anderen würde dieses Detail bei der Vielzahl unterschiedlicher Kits und Neuheiten einfach übersehen werden. Daher möchte ich explizit auf diese Neuerung hinweisen, zumal Sensas dieses konischen Kits und Spitzen auch im Sparpack (Bundel mit 4 Stück) vergünstigt anbietet.

In folgender Tabelle verwenden wir Abkürzungen. NP steht für Nanoflex+Parallel,
N N steht nur für Nanoflex, Bei Länge steht das * für Rutenlänge OHNE Teil 1 (ohne Spitze). Zum Rutentest habe ich nur Ruten selektiert, die für den deutschen Markt relevant sind und gehobenen Ansprüchen genügen. Die XL Ruten sind mit Spitze (Teil 1) ca 13.10m lang.

Modell Länge* Eigengewicht Balancegewicht ohne Miniextension Balancegewicht
mit 50cm langer Mini-Extension
Abweichung zur Ideal-Linie in unserem Messaufbau
 NP 95XL  12.40m*  914 Gramm  3653 Gramm  4240 Gramm  3cm
 NP 95XLSW  12.40m*  964 Gramm  4001 Gramm  4509 Gramm  11cm
 NP75XL  12.35m*  912 Gramm  3652 Gramm  4001 Gramm  9cm
 N 795SW  12.00m  892 Gramm  3348 Gramm    1cm
 N 775SW  11.95m  955 Gramm  3580 Gramm    5cm
 N 755SW  11.92m  956 Gramm  3625 Gramm    14cm
 N 845  12.31m  985 Gramm  3764 Gramm    10cm
 NP HULK Carp XL  12.45m*    4210 Gramm    2cm
 Criterium 255  12.31m  957 Gramm  3720 Gramm    14cm

Nun muss man aber auch die Tabelle erklären, damit keine Fehlinterpretationen entstehen. Die 12m langen Modelle haben ein anderes Konzept. Diese sind entwickelt worden, um Junganglern und Frauen eine Rute in die Hand zu geben, die nach CIPS nur bis 11.50m Länge angeln dürfen.  Die genaue Länge von 11.50m ist gewünscht, ohne an den Spitzen rumsägen zu müssen. Sensas liefert daher bei diesen Modell eine Mini-Extension - sprich ein Handteil mit 100cm Länge (212 Gramm) mit, um genau auf 11.50m oder genau auf 13m zu kommen. Wir haben das kontrolliert. Das stimmt auf den cm genau.

Interessant fand ich die reale Auswirkung der Miniextension von 50cm (126 Gramm) auf das Balancegewicht. Während bei der neuen 75XL das Balancegewicht nur 350 Gramm zunahm, waren es schon beim Topmodell 95XL fast 500 Gramm. Wir haben die 95XL und die 75XL auf der gleichen Waage gewogen. Das die 75XL 2 Gramm leichter sein soll, liegt bestimmt noch am Prototyp-Status dieser Modellreihe. Auch das Balancegewicht ist nahezu identisch. Müssten sich demnach dann auch die Ruten sich gleich verhalten? Von den Meßparamatern hätte ich das jedenfalls erwartet. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt. 6cm Unterschied in der Abweichung der Ideal-Linie zur 95XL zeigen dann doch, dass die Meßlatte der 95XL extrem hoch liegt. Aber dafür fast 1000EUR mehr ausgeben? Ich rate dann doch eher zur zur Nanoflex Parallel 75XL zu greifen. Die ist selbst für Team-Anglern fast nicht erschwinglich...

Die neue Hulk Carp mit Nanoflex und Parallel haben wir vergessen zu wiegen. Sensas wird diesen Parameter mit Erscheinen des Kataloges für 2017 sicherlich noch nachreichen. Alle gemessenen Modelle sind noch PROTOTYPEN! Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sobald eine Massenproduktion anläuft, die Modelle noch steifer werden und Fertigungstoleranzen dann ausgemerzt sind.

Wer für 2017 eine gute Allroundrute sucht, sollte sich unbedingt die Sensas Criterium 255 anschauen. Das Nachfolgemodell der Sensas 134 ist fast 130 Gramm leichter geworden. Ist sehr viel steifer und wird im Bundel mit 2 Kits unter 800EUR angeboten. Jeder der die 255 mal in die Hand nehmen durfte hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Für mich hat diese Pole-Bundel mit beste Preis/Leistungsverhältnis von allen Ruten in der Preisklasse bis 800EUR.

(c) Bild und Textmatarial: Maik Fiebig, Matchangler-Shop





 

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