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Matchangeln in Moskau - Team und Einzelmeisterschaft im Stipp-Angeln 2014


Die russische Nationalmannschaft, hatte mich schon mehrfach eingeladen mal in Moskau an einer größeren Angelveranstaltung teilzunehmen. Jetzt hatte ich mal Nägel mit Köpfen gemacht, um zu sehen, was dieses Team so erfolgreich macht. 5 mal in Folge hatten sie jedes Angeln an der "Moskwa" gewonnen. Das kann kein Zufall sein. Moskau hat knapp 20 Mio Einwohner und eine starke Lobby rund ums Stipp-Fischen. Der Wettkampf wurde an 2 Tagen ausgetragen. Von 7-9Uhr war Treffpunkt und Futterquirlen angesagt. genug Zeit für mich mit den Angeln ins Gespräch zu kommen und Fotos von Neuheiten, Geflogenheiten und Angeltechniken zu machen. Ich habe bis jetzt noch keine deutschen Berichte im Internet gefunden, wo von Angelveranstaltungen in Russland berichtet wird. Ein Grund mehr mal wieder den ersten Schritt zu tun.

Doch zunächst einige Infos zum Gewässer. Der Treffpunkt war im Südwesten von Moskau. Ein sehr bequemer Treffpunkt mit guten Parkmöglichkeiten und kurzen Wegen ans Angelgewässer. Außerdem ist die Strecke sehr fair und ermöglicht über 500 Anglern die Teilnahme unter gleichen Bedingungen und mit kurzen Wegen ans Wasser. Vielleicht sollte die F.I.P.S. mal über Moskau als Austragungsort einer EM oder WM nachdenken. Meine Empfehlung kann ich dazu aussprechen.
Der zentrale Fluss durch Moskau hat auf Kopfrutendistanz eine durchschnittliche Tiefe um 2.5m bis 3m bei einer Breite von gefühlten 200m. Die Fließgeschwindigkeit ist gering. Posengewichte von 0.8 bis 2 Gramm sind völlig ausreichend. Auf Matchrutendistanz 25-35m ist es nur unwesentlich tiefer. Der Hauptfisch sind kapitale Rotaugen mit einem Durchschnittsgewicht um 400-600 Gramm. Brassen sind eher ein willkommener Beifang und bei der großen Menge an Rotaugen schwieriger zu beangeln. Das Wasser ist ungewöhnlich klar und es gibt etliche farnartige Wasserpflanzen in Ufernähe.

Der beliebte Treffpunkt wurde von mir mit einer (1) markiert. Es ist ein geflegter Zugang zu einer Parkanlage mit breiten Gehwegen


Eine Fotocollage mit einigen Eindrücken habe ich hier zusammengefasst und möchte euch daraus einige Details vorstellen, die mein Interesse geweckt hatten. Doch zunächst erstmal ein Bild vom Moskauer Team Allvega, welches dieses Jahr auch sehr erfolgreich bei der CLUB-WM mitgefischt hatte...
Team

Während der Vorbereitungszeit staunte ich nicht schlecht. Nahezu jeder hatte eine Makita zur quirlen des Futters. Die Jungs wissen echt, was gut ist und auch lange hält. Um dichter ans Futter zu kommen, hatte ich mir einfach mal ein solchen Elektroquirl geschnappt.
YMein Angelfreund Yur Radugin war jedoch ganz offen. Er zeigte mir was sie fischen und welches Angelfutter sie speziell für neugierige Zuschauer an den Angelplatz legen ;) Hier wird ebenfalls mit allen Tricks gearbeitet.



Ich hatte ihm versprochen seine Rezeptur nicht komplett wiederzugeben und zu veröffentlichen. Dennoch erlaubte er mir die Grundrezeptur von Sensas zu zeigen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war dass ich ebenfalls Futterbilder von den anderen Team machte und sie irgendwie fast alle das gleiche Rotaugenfutter mit 3kg Sensas Gros Gardon fischten und einer Flasche Aromix Gardon hinzufügten. Auf meiner Bildcollage oben ist dies auf einigen Bildern zu sehen. Hier ein Schnappschuss vom Teleobjektiv. Die Tüte Gros Gardon liegt versteckt hinter''m Eimer, während noch eine ganze Tüte PV1 im Eimer verschwindet. Eine Tüte Sensas Futter kostet hier umgerechnet knapp 9.00EUR im Fachgeschäft. Auch hier zeigt sich, dass Moskau eine der teuersten Städte der Welt ist. Aber egal - wer gewinnen will, kauft sich nur das Beste vom Besten. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Ich muss schmunzeln - es ist typisch russisch,

Was mir den Teams überall aufgefallen ist, dass das Thema mit Teamsponsoring nicht so ernst genommen wird. Jeder benutzt Taschen, Sitzkiepen, Eimer, Ruten, Basecups von der Marke, die ihm am Besten gefällt und wo die Qualität stimmt. Ich hatte Yuri u.a. direkt auf dieses Thema Sponsoring angesprochen, da er selbst für Maver fischt und dennoch einige Taschen und Eimer + Zubehör anderer Hersteller nutzt. Er erklärte mir, dass ihm und seinen Angelfreudnen nicht so wichtig, wie es in den europäischen Ländern gepuscht wird. Wenn ein anderer Hersteller einen stabileren Reißverschluss an der Setzkeschertasche hat, dann nimmt er diese Tasche. Qualität hat hier in Moskau einen höheren Stellenwert als Markentreue.
Doch nun wieder zurück zum Futter...

Ja - der typische Duft von Sensas Gros Gardon ist nicht verkennbar und hier rieche ich den Duft vom PV1 und Aromix raus. Ca 4kg Trochenfutter wurden hier für 4 Stunden Angelzeit angerührt. Es wurde keine Futterfarbe verwendet. Alles wurde so belassen, wei es aus der Tüte kommt. Die Bindung des Futters ist überraschend gut und enthält einen hohen Anteil an Hanfmehl. Klarer Fall - jeder bereitet hier ein aktives Rotaugenfutter zu. Nur gelegentlich konnte ich Futtertüten aus einheimischer Produktion und Van den Eynde  sehen. Einge Angler hatten auch Angelerde von Sensas Terre de Reviere ( Sensas 02418) am Platz zu liegen. Offenbar für die Mückenlarven. Kaum einer hatte mit Erde das Futter hier beschwert oder gestreckt. Die Angelströmung ist hier gering. Posengewichte um 0.8 Gramm bis 2 Gramm domieren.
Zu den Ködern... kaum einier angelt hier mit maden, Pinkies oder Castern. In Russland sind die Mückenlarven einfach günstiger und in viel besserer Qualität, als wir es in Deutschland zu Gesicht bekommen! Es ist Hochsommer - ich rede hier von Mitte Juli - jeder der mit Mückenlarven zu dieser Jahreszeit rum hantiert, kennt die saisonbedingte schlechte Qualität. Doch was ich hier sah, ließ meine Augen größer werden.

Selbst die Futtermücken sind so groß, dass man diese fast zum Beködern nehmen konnte und sowas von quicklebendig, dass man diese nicht mal mit Lehm trennen muss. Stolz erzählt Yuri, dass die Mückenlarven erst vor gut 10 Stunden gesammelt worden sind und gerade die Frische der Köder entscheidend über den den Sieg oder Niederlage beim Angeln sind. Die Preise für kleine  Mückenlarven liegen in Moskau bei etwa einem Drittel der in Deutschland üblichen Preise. Gleiches gilt auch für die großen Mückenlarven, die ebenfalls eine Wucht sind! Irgendwie ist dass ja auch logisch. Die Transportkosten und Zollabwicklung nach Europa sind hier die Kostenfresser.


Ein Teil der großen Mückenlarven wird während des Angeln in Zeitung gekühlt gelagert, damit man auch zum Ende des Angelns hin immer frische Köder hat. Sicherlich könnte man auch regelmäßig das Wasser wechseln. doch bei der knalligen Sonne heizt sich einfach alles auf. Weiße Köderdosen verzögern den Effekt zwar, verhindern diesen aber nicht! Daher lagern die Angler hier die Mückenlarven an einem schattigen oder gekühlten Platz in trockener Zeitung. In Deutschland sind gefärbte Maden nicht gestattet. In Russland spielt das keine Rolle. Etliche Angler nutzen gefärbte Maden und schwören darauf. Die Maden sind hier nicht nur rot. Sie leuchten sogar...

Reges Treiben der Teams vor dem Betreten der Sektoren. Überall hört man das "Singen" der Futterquirle. Auch hier ist wieder gut zu sehnen, was ich mit Markentreue meinte. Wenn man eine VdE T-Shirt trägt und einen blauen Eimer nutzt ist man Van den Eynde Team-Mitglied. Maverfutteral, Preston-Sitzkiepe + Futterale und Sensas Futter sind das Aushängeschild und die Kehrseite der Medaillie, warum die Sponsoren immer weniger bereit sind, Vergünstigungen zu gewähren. ....und sind wir mal ehrlich. Bei viele deutschen team-Anglern sieht es ähnlich aus. Vielleicht nicht ganz so krass, aber doch sehr ähnlich.

Ein coole Idee habe ich noch entdeckt. Jemand hatte sich mit Hilfe eines RIVE Clip One Adapters einen Timer (Uhr) gebaut, der ihn an das regelmäßigen Cuppern/Füttern errinnert. Einfach, effektiv und billig. Not macht eben erfinderisch.

In Deutschland leider nicht oft anzutreffen sind Toiletten für die Angler. Im Organisieren und Ausrichten von Angelveranstaltungen haben die Russen echt was drauf.

Kampfrichter tragen Westen und verscheuchen neugirigen Touristen und Radfahrer, die sich zu dicht am Angelmaterial der Angler aufhalten. Auch ich wurde mehrfach angezählt, weil unberechtigt die Sektoren zum fotografieren betreten hatte. Als Ausländer hat man''s leicht...sorry ne panimaju.... ein Lächeln und schon ist wieder Frieden. Ich lass ihn lieber von dannen ziehen und will keinen Streß haben.

Letzte Vorbereitungen am Wasser:Haken binden. Offenbar kann man nie genug davon haben. Ich war neugierig und musste mir das mal näher ansehen.

Es sieht aus, als würde die Profi''s hier mit grünen langschenkligen Angelhaken von Gamakatsu fischen...
Trotz Teleobjekt zu winzig für die Aufnahme. Ich tippe hier mal, dass es die neuen grünen Haken ohne Widerhaken sind, die speziell zum Mückenangeln verwendet werden. ich konnte nicht fragen. Meine Sprachkenntnisse reichen für derartige Details nicht aus.

Originell fand ich ebenfalls die Beschilderung der Angelplätze. Pappteller aus dem Partyzubehör mit großer Beschriftung. Einfach, effizient und vorallem billig. Andere Länder - andere Sitten.


Die Strecke vom A-Sektor aus gesehen. Es sind wirklich sehr schöne Angelplätze. Sowas würde ich mir in Berlin auch wünschen.

Während in Deutschland überwiegend Sensas Kopfruten am Wasser zu sehen sind, hat in Russland Maver den höheren Marktanteil. Offenbar ist der lokale Service hier besser um Maver organisiert. Die Kopfruten von Maver werden von Reclass gefertigt. Kein Wunder also, warum auch hier die Team-Angler nur bestes Material haben wollen. Ich teste schon mal die Maver 521 (895 Gramm auf 13m bei nur 45mm Handteildurchmesser).

Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer. Der übereifrige Kampfrichter erteilt mir gerade eine Ansage... ich versteh zwar nicht, erkenne jedoch die deutliche Lautstärke und deren Bedeutung...dass ich hier nichts im Sektor zu suchen habe.
Vorsichtig erkläre ich ihm, dass ich kein "Tourist" bin. Yuri übersetzt netterweise und schlichtet damit ich noch ein paar Bilder machen kann.
Um seine Kopfrute besser zu schonen verwendet er 2 Abroller. Damit wird die Kopfrute beim Abstecken noch besser vor Überlastungen  geschützt.

Das Rutenende hat er vorteilhafterweise nicht nur mir einer Abschlusskappe geschützt, sondern auch mtr einem kleinem Distanzstück, weil ihm schon mehrfach ein neugieriger Radfahrer ins Rutenende gefahren ist. Vielleicht hätte er es noch neofarbend lackieren müssen. Letztendlich aber immer noch günstiger, als ein gesplittertes 13m Handteil zu ersetzen. Ich fand die Idee dennoch gut und möchte es euch zeigen.

Schnell noch ein Blick auf die Montagen, Bebleiung und Haken, bvor der nervöse Kampfrichter wieder bellt.

Auch er verwendet langschenklige Gamakatsu Haken an 15cm Vorfächern.
Seine Bebleiung der 1.25 Gramm Pose ist denkbar einfach: Preston Stylbleie Gr. 10 mit halbiertem Abstand zwischen jedem Gewicht.
Wirdiskutieren gerade darüber, wie man die Bebleiung am besten modifiziert und ob grüne Bleischrote nicht besser wären. letztendlich hat er jedoch recht mit dem Stylblei (Stotzblei Preston). Dieses Blei ist schnurschonender und auch mit der Bleizange besser zu entfernen, als die grünen Sensas Schrote. Gerade bei sehr dünnen Schnüren sei das wichtig.

Eher selten wurde mit der Matchrute gefischt. Das Angeln mit der Zoomermontage ist auch hier beliebt, wenn man scih mit einem dicken Bonusfisch retten muss. Auch hier verwenden die Teamangler von verschiedenen Teams Matchruten von Maver. Zufall kann das nicht alles sein...

Seine Fangergebnisse können sich sehen lassen!
Wirklich große Plötzen konnte er überlisten. Der Trick bestand darin die Fische über größere und dunklere Köder zu selektieren und regelmäßig, aber nicht zu viel nachzufüttern (cuppen). Irgendwie erinnert mich das das an den Silokanal. Dort habe ich das letzte mal derart große Plötzen gesehen. Mit nur 39 Plötzen konnte er 9.5Kg an die Waage bringen. Respekt!

Sein Gummizug Nr.6 ist nun ausgeleiert. Die Rotaugen haben ganz schön "Rabatz" an der Kopfrute gemacht und leider sind auch einige Fische vorm Kescher verloren gegangen. Nichts läuft perfekt. Doch es hat am Ende des Tages erneut gereicht

Sein Team konnte auch dieses Jahr wieder überzeugen. Platz 1 für Yuri''s Team nach 2 Durchgängen.
Seine Fahrkarte zur nächsten WM darf nun eingelöst werden.


Fazit: Am Futter allein kann''s nicht gelegen haben. Die Profis kennen sich alle am Gewässer aus. Frische Mücken und die richtige Taktik sind sicherlich wichtig (Fütterrhythmus, Cuppen, Köderwahl). Doch wer hier nicht bündig angelt fällt auf die Nase. Auf Brassen zocken geht nicht, wenn so große Plötzen da sind.
Was vielleicht einige vergessen hatten war, dass sich der Wasserstand bis zu 15cm ändern kann. Eine entsprechende Markierung am Setzkescher wäre vorteilhaft gewesen.

Schnell noch ein Erinnerungsfoto aus Moskau vom den russischen Team-Meisterschaften vom 14. Juli 2014 mit Yuri Radugin.
Das nächste Angeln werde ich dort mal mitfischen. Etwas internationale Luft tut gut. Wer aus Deutschland mal in Russland mitangeln möchte oder VISA Fragen dazu hat, den kann ich gut beraten. Auch bei diesem Thema musste ich mich erst mal durchbeißen.

In Russland gibt es ähnliche Veranstaltung, wie bei uns das IAM -Angeln am Silo-Kanal. Einladungen dazu oder Informationen zum Gewässer kann ich gern beschaffen.


Text und Bildmaterial: Maik Fiebig

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